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Treffen 2017

Unsere Treffen
Boelcke trifft Cyber  oder Tradition trifft Zukunft

von Oberstleutnant a.D. Wolfram Gebhardt

Am 13. und 14. September 2017 traf sich die Gemeinschaft ehemaliger Offiziere der Luftnachrichtentruppe und der Führungsdienste der Luftwaffe zu ihrer jährlichen Informationstagung, diesmal beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" (TaktLwG 31 "B") in Nörvenich.
Vor dem politischen Hintergrund der Diskussionen um Traditionspflege der Bun-deswehr war der Standort gut gewählt: das TaktLwG 31 "B" pflegt seit seiner Aufstellung erfolgreich eine ungebrochene Tradition in der Luftwaffe, im positivsten Sinne geprägt vom Geist Oswald Boelckes. Zu Beginn mit dem Waffensys-tem F-84 ausgerüstet führte der Weg des Verbandes über die F-104 G und den TORNADO heute zum  modernsten Waffensystem der Luftwaffe, dem EURO-FIGHTER. Und es war sehr reizvoll, an diesem Standort den Blick in die Zukunft zu wagen, in der mit dem "Cyber und Informationsraum" eine neue Teilstreitkraft der Bundeswehr aufgestellt wird.
Die 122 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfreuten sich der Gastfreundschaft und perfekten Organisation des Geschwaders und ließen sich zu Beginn eine gehaltvolle Gulaschsuppe munden. Außer der Gulaschsuppe gab es natürlich auch diesem Jahr ein Rahmenprogramm, das dem zweiten Hauptzweck unserer Treffen diente: Pflege der gemeinschaftlichen Kontakte.
Während die Herren im Fliegerhorst blieben, um am Informationsprogramm teilzunehmen, wurden die Damen mit einem Bus zur Stadtführung nach Zülpich gefahren.
Das Informationsprogramm für die Herren wurde leicht verändert. Nach der Begrüßung durch den Sprecher der Gemeinschaft, Herrn Generalleutnant a.D. Friedrich Ploeger, und dem Gedenken an die Verstorbenen, führte Oberst a.D. Wolfdietrich Fette uns in die Anfänge der Bundeswehr zurück. Sein Vortrag beschrieb den Weg zur Aufstellung der ersten Lehrkompanie der Luftwaffe, gerne apostrophiert als "die Wiege der Luftwaffe". Einige seiner damaligen Kameraden saßen nun mit stillem Lächeln vor ihm. Aber auch bei den anderen Teilnehmern erweckte er Erinnerungen an die eigenen Erlebnisse beim Aufbau der Luftwaffe. Es war ja unsere Generation, die damals angetreten ist. Bei der Vereidigung der ersten Lehrkompanie der Luftwaffe am 09. Januar 1956, übrigens in Nörvenich, sagte der damalige Verteidigungsminister (Zitat):
"Sie stehen heute hier vor mir als die Ersten, die eines Tages als Flugzeugführer oder in vielseitigen technischen Verwendungen Dienst tun sollen. Sie haben sich damit einer Waffe verpflichtet, die auf eine zwar noch junge, aber hervorragende Tradition zu-rück blicken kann. Eine Tradition großer Taten und stiller, aufopfernder Pflichterfüllung."
Danach schritt er mit Kanzler Adenauer die Ehrenformation ab.

Nun ging es nach Programm weiter. Der stellvertretende Kommodore, Oberstleutnant Heimbach, stellte sein Geschwader vor.
Das TaktLwG 31 "B" ist der älteste fliegende Verband der Lw. Er trägt seit 1961 den Traditionsnamen "Boelcke". Bei der letzten großen Strukturentscheidung in der Luftwaffe hat der Verband sowohl den Namen als auch den Standort beibe-halten, er hat also "überlebt".
Auf dem Fliegerhorst Büchel aufgestellt, begann die Geschichte des  Geschwaders in Nörvenich am 20. Juni 1958 mit dem Waffensystem "F-84 Thunderstreak". Mit der Einführung des WS "F-104 G Starfighter" ab August 1961 leistete der Verband wichtige Pionierarbeit bei der Umrüstung (Germanisierung) des ursprünglich reinen Abfangjägers zum Jagdbomber. Ab August 1983 übernahm das Geschwader den Panavia 200 "TORNADO", der als Multi Role Combat Air-craft (MRCA) von Anfang an für den Luft-Boden Einsatz (Interdiction and Strike, IDS) vorgesehen war. Das Geschwader begleitete die Anpassungen und Kampfwert-Steigerungsmaßnahmen des MRCA während der Nutzungszeit, insbesondere die Einführung der ersten Präzisionsbewaffnung in der Luftwaffe mit dem Laserbeleuchter LIGHTENING II und dazu passenden Abwurfwaffen.
Nach Umrüstung auf den EUROFIGHTER erhielt das Geschwader im Frühjahr 2011 den Auftrag für das Air-Policing im deutschen Luftraum eine Alarmrotte (Quick Reaction Alert – QRA) bereitzustellen. Gegenwärtig hat das Geschwader wieder den Auftrag, Neuland bei der Erweiterung des Einsatzspekrums des EUROFIGHTER zu betreten. Neben den bisherigen Fähigkeiten für defensive und offensive Luftverteidigung ADX geht es jetzt um die Ausschöpfung des Potentials dieses Waffensystems für Luft-Boden Einsätze, und damit zur Mehrrollenfähigkeit ab 2018. Dabei profitiert der Verband von seiner hohen Expertise und seinem Erfahrungsstand. Dennoch schränken die begrenzten materiellen und personellen Ressourcen das Geschwader erheblich ein, insbesondere in der Durchhaltefähigkeit, zumal ja vordringlich der laufende Einsatz im Rahmen der NATO und der UN sichergestellt werden muss. Als ein besonderes Problem wurde der Schutz des Waffensystems durch Objektschutzmaßnahmen (Force Protection) erkannt, da diese Kräfte der Streitkräftebasis unterstellt sind und nicht organisch zum Verband gehören. Einige notwendige Fähigkeiten können derzeit strukturell und organisch nicht abgebildet werden. Dennoch geht das Geschwader davon aus, die Zertifizierung für die NATO Reaction Force - NRF zu erreichen.
Höhepunkt des Besuches war die Besichtigung des EUROFIGHTER aus der Nähe und die kompetente Darstellung des Flugzeuges durch einen der technischen Offiziere. Abschließend besichtigten wir das Geschwader-eigene Museum. Es besitzt eine beeindruckende Sammlung von historischen, militärischen und technischen Ausstellungsstücken, die in liebevoller Fleißarbeit dargestellt und beschrieben sind. Es zeigt exemplarisch wie in einem Brennglas die Traditionslinien des Verbandes, der mit Rechtstolz auf seine Leistungen sein kann. Der ehrenamtliche Leiter des Museums, ein Oberstabsfeldwebel der Reserve, hatte sich für unseren Besuch reaktivieren lassen und gab sehr kompetent Auskunft zu allen Fragen.

Nach dem Kaffee kamen wir zum zweiten Programmschwerpunkt, dem Vortrag über das Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR). Der neue Inspekteur, Generalleutnant Ludwig Leinhos, der gerne selbst den Vortrag ge-halten hätte, war von der Ministerin nach Berlin gerufen worden. Daher trug der Abteilungsleiter Einsatz im Kommando CIR, Oberst i.G. Thomas Bertram vor.
Aufmerksamere und kritischere Zuhörer hätte er sich nicht wünschen können. Schließlich saßen vor ihm erfahrene Führungsdienstler mit Fachwissen in zum Teil erheblicher Tiefe. Und allen stand die Frage im Gesicht: Warum ein neuer militärischer Organisationsbereich? Doch das konnte er überzeugend klären. Er nannte drei Gründe:
Erstens hat seit unserer Pensionierung der Fortschritt der Informations-Technik mit immer schnelleren und leistungsfähigeren Rechnern einschließlich ständig komplexerer Software sowie der Breitbandausbau der Datennetze nicht nur zu neuen Diensten und kommerziell lukrativen Anwendungen geführt, sondern damit auch zu einem so noch nie da gewesenen Bedrohungspotential. Und diese Bedrohung erfasst gleichermaßen zivile und militärische Bereiche einschließlich Industrie, öffentlicher Verwaltung und Dienstleistungsgewerbe. Er nannte als Beispiele aktuelle auch in der Öffentlichkeit bekannte Cyber-Angriffe. Derartigen Angriffen muss wirksam begegnet werden.
Zweitens erfordert die gesamtstaatliche Verantwortung für die Sicherheit die Bil-dung von Organisations-Elementen im BMI für die Cyber-Abwehr, im Auswärtigen Amt für eine Cyber-Außenpolitik und im BMVg für die Cyber-Verteidigung. Es ist eine Cyber-Sicherheitsarchitektur erforderlich, die auch und gerade in der Verteidigung handlungsfähig sein muss.
Drittens sind für eine gemeinsame Cyber-Abwehr in der EU, in der NATO und multilateral im Rahmen der UN Ansprechstellen "auf gleicher Augenhöhe" einzurichten und zu betreiben.
Für die Realisierung liegen die Grundsatzdokumente bereits vor. Die Cyber-Sicherheitsstrategie hat erhebliche Auswirkungen auf die Bundeswehr, ihr kommt eine deutlich stärkere Rolle in der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge in Deutschland zu. Die daraus erwachsenden Aufgaben wurden detailliert vorgestellt. Der politische Entschluss lautet also: Es ist ein militärischer Organisationsbereich CIR und als Exekutive ein Kommando CIR aufzustellen. Die Bildung einer operativen Komponente ist für Deutschland eine neue Aufgabe.
Der weitere Vortrag führte über die Zielsetzung, zeitliche Planung, stufenweisen Aufbau und besonderen Aspekten hin zu Auftrag und Aufgaben der militärischen Organisationselemente.  
Ein aktuelles Problem in der praktischen Auftragserfüllung ist, gezielt gestreute Falschmeldungen (Fake-News) zu erkennen und die Deutungshoheit zu behalten. Das lässt sich nicht ohne umfassenden Verbund aller relevanten Informationssysteme erreichen. Hierzu ist noch viel Arbeit erforderlich, um ein funktionierendes Vertrauensverhältnis mit allen Beteiligten zu erreichen.
Ein weiteres Problem wird die Gewinnung von hochqualifiziertem Fachpersonal im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft sein. Man wird da wohl unkonventionelle Schritte gehen müssen. Neue Ideen sind gefragt. Vor allem ist es wichtig, erfahrene Leute "mit Außensicht" zu finden. Gutes Personal "mit Innensicht" haben wir zwar in der Bundeswehr, aber nicht genug für die künftigen Aufgaben. An der Universität der Bundeswehr in München wurde bereits ein Cyber-Cluster mit Master Studiengang ab 2018 eingerichtet. Aber es wird dauern, bis die ersten Absolventen verfügbar sind. Abschließend wies der Vortragende darauf hin, dass zur Lösung der anstehenden Aufgaben möglichst viele personelle Ressourcen eingebunden werden müssten. Aus der Bundeswehr sollten dazu Zivilbedienstete und Soldaten (einschließlich Reservisten) gehören. Diese müssten mit Experten außerhalb der Bundeswehr, z.B. aus Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft und öffentlichem Dienst, aber auch anderen Angehörigen der "Cyber Community", die an der Sicherheit der Systeme interessiert sind, eng zusammen arbeiten.
Leider war aus zeitlichen Gründen keine vertiefende Diskussion möglich, als der interessante Vortrag beendet war. Die Zuhörer verließen beeindruckt den Vortragsraum, nachdem Generalleutnant a.D. Ploeger im Namen aller Oberst i.G. Bertram gedankt hatte.

Über das wie immer parallel zur Informationsveranstaltung durchgeführte Damenprogramm berichtete eine Teilnehmerin Folgendes:
Pünktlich um 13:15 Uhr begann das Programm mit einer kurzen Busfahrt nach Zülpich. In zwei Gruppen konnten die Damen von kompetenten Stadtführern Wissenswertes über die alte römische Siedlung „Tolbiacum“ erfahren.
Nach archäologischen Funden wurde der Raum um Zülpich schon früher von Kelten und Germanen besiedelt. Im neuerbauten Haus „Römerthermen Zülpich – Museum für Badekultur“ sind im kleinen, aber feinen Museum liebevoll zusammengetragene historische Funde der Stadt Zülpich ausgestellt (z.B. die Römerthermen – besterhaltene Badeanlagen nördlich der Alpen).
Im 2. Weltkrieg wurde der Stadtkern Zülpichs weitgehend zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut unter Mitverwendung von erhaltener mittelalterlicher Bausubstanz (z.B. von St.-Peter auf dem Mühlenberg).
Nach dieser lehrreichen Stunde konnten die Damen sich im Cafe Gehlen bei gutem Kaffee und noch besserem Kuchen von den Anstrengungen erholen und vor allem das persönliche Gespräch untereinander pflegen.
Danach ging es mit dem Bus wieder zurück zur Boelcke-Kaserne in Kerpen, wo die Herren leider noch nicht startbereit auf uns warteten. Als diese dann endlich kamen, ging es mit eigenen Autos in aller Eile zu den Hotels, wo man sich für den Abend „feinmachte“, um dann mit Bussen in die OHG nach Kerpen zurückzukehren.

Für unsere Abendveranstaltung wurde das Kasino in der alten Boelcke-Kaserne wieder reaktiviert. Es war wieder einmal erstaunlich zu erleben, zu welchen Leis¬tungen ein Verband, bei dem in den letzten Jahren personell rigoros gespart wurde, in der Lage ist. Der freiwillige Einsatz von Angehörigen des Geschwaders trug wesentlich zum Gelingen des Abends bei.
Der große Saal war sehr schön eingerichtet und dekoriert, und die Ordonanzen (gibt es eigentlich nicht mehr, es gab aber genügend Freiwillige (m und w)), versorgten uns an den Tischen gut und sehr freundlich. Das Buffet war liebevoll vorbereitet, sehr lecker und so reichlich, dass wir es nicht annähernd schafften.
Für uns war die Nahrungsaufnahme wie immer nicht der Hauptzweck des Abends. Alte Bekanntschaften waren aufzufrischen und neue konnten gemacht werden. In einer weitgehend homogenen Gemeinschaft ist das nicht schwierig.
Ein häufig wiederkehrendes Thema war die Hoffnung, dass mit einem neuen Traditionsverständnis nicht auch das über Bord geworfen wird, was wir als gesellschaftlichen Zusammenhalt inner- und außerhalb des Dienstes kennen und schätzen gelernt haben.
Sehr spät am Abend endete der Abend mit dem Rücktransport der Gäste zu ihren Hotels. Von einem Unternehmer aus der Gegend waren dazu mehrere Busse gemietet. Sie ersparten Vielen Verzicht bei der Getränkewahl oder weite Fußmärsche zu ihren Hotels.

Für die fakultative Gemeinschaftsveranstaltung am zweiten Tag war ein Ausflug aus der Voreifel (Nörvenich -, Kappes und Knollen) an Stauseen in der Eifel geplant. Bei den individuellen Anreisen mit Auto und Navi kam es zwar gelegentlich zu ungewollten Landschaftsbesichtigungen, aber alle fanden rechtzeitig die Anlegestelle in Schwammenauel.
Der Rur-Stausee hatte noch immer ziemlich wenig Wasser, es reichte aber, um uns alle bei angenehmen Gesprächen und (auf dem Oberdeck) sehr viel frischer Luft auf dem Untersee bis zur Staumauer zum Obersee zu transportieren Beim Fußweg zum Anschlussboot über die Staumauer versuchte die Eifel mit mäßigem Erfolg uns ihr raues und regnerisches Gesicht zu zeigen. Auf dem Obersee gab es wieder viel interessante Landschaft an den Ufern und angenehme Gespräche im Innern des Bootes.
Bei der Ankunft an der Staumauer zur Urfttalsperre empfahl uns der Bootsführer, nicht auf seine nächste und letzte Fahrt des Tages zu warten, die sei nämlich ausgebucht. Wir blieben im Boot, fuhren zurück über Ober- und Untersee und waren auch mit der geänderten Planung glücklich. Nach der Rückkehr nach Hause waren wir noch viel glücklicher, als wir erfuhren, dass wir ein ziemliches Unwetter verpasst hatten. In Schwammenauel trennten sich die Wege. Von größeren Problemen bei der Rückfahrt der Teilnehmer wurde nichts bekannt und man kann ziemlich sicher damit rechnen, dass sich viele nächstes Jahr weit im Norden Deutschlands beim Flugabwehr-raketengeschwader 1 in Husum am 05. Und 06. September 2018 wiedersehen werden.

Wache FlgH Nörvenich
Erste Gespräche
Begrüßung durch unseren Sprecher
Herrenprogramm
Der Adju hat alles im Griff
Damenprogramm
Abendveranstaltung
Der zweite Tag
Auf Wiedersehen in Husum
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